»Dieses Jetzt, von dem du sprichst, existiert so gut wie gar nicht. Wir spüren es, aber es lässt sich nicht messen. Die Vergangenheit ist ständig dabei, die Gegenwart aufzufressen.« Ich strich ihm übers Haar und schwieg eine Weile. »Ich glaube deshalb habe ich Gemälde immer geliebt. Jemand bemalt irgendwann eine Leinwand, aber wenn er damit fertig ist, bleibt das Gemälde in der Gegenwart. Ergibt das für dich einen Sinn?« »Ja«, sagte Matthew. »Auf jeden Fall. Ich mag es, wenn Dinge ganz, ganz lange halten.« Er blickte zu mir auf. Dann atmete er tief ein. »Ich habe mich entschlossen, Dad. Ich will Künstler werden.« aus Siri Hustvedt, Was ich liebte
„Die oberste Regel des Nouveau Régime ist die Regellosigkeit. Ein anderes Wort dafür ist Willkür. Es ist eine merkwürdige Mischung: eine anarchisch-libertäre Entfesselung, die sich als Befreiung geriert – und in das Autoritäre mündet. Denn Regeln sind – oder waren – die Grundlage der Demokratie als politische Ordnung zur Einhegung, zur Eingrenzung von Macht (zumindest ihrem Ideal nach). Geboten wird das Schauspiel eines Umbaus des Staates, eines Sprengens des demokratischen Korsetts auf offener Bühne. Weg von den letzten Resten sittlicher Bindungen und Rücksichten – hin zum offenen, unverstellten, unverhüllten, zum nackten materiellen Interesse. Einiger weniger.“
Voller Freude darf ich euch mitteilen, dass mein erstes Fotobuch (self-published photobook) erschienen ist!
Das Buch – eine Ode an die Nebensachen – besteht aus drei Kapiteln und führt zunächst in die Region Veneto, zu den Schauplätzen des Buches „In Veneto, 84-89“ des italienischen Fotografen Guido Guidi (www.mackbooks.co.uk). 45 Jahre nach dessen Erkundungen durchstreife ich seine „non-places“ und versuche, Veränderungen und Parallelen zu entdecken.
Anschließend widme ich mich meiner Wahlheimat, der Wachau, Wien und dem Waldviertel. Diese neue Heimat ist vor allem durch die Donau geprägt. Viele Bilder sind an den Ufern des Flusses entstanden, der mir, wie Italien, ein lebensbegleitender Sehnsuchtsort geblieben ist.
Im dritten Teil lote ich schließlich das poetische Potenzial meiner Fotografie aus. Die Bilder sind in locker komponierten Sequenzen angeordnet, die als Meditationen über die Bedeutung des Festhaltens und Loslassens betrachtet werden können. Die Randerscheinung wird zur Bühne, die Protagonistinnen sind Sehnsucht und Veränderung.
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Gert Lanser „Exploring Heimat“ Edition Eigenfarben 236 Seiten, Softcover Format: 230 x 305 mm ISBN: 978-3-9505465-3-8 36,00 EUR (zzgl. Versandkosten)
Guido Guidi, für sein wundervolles Werk über die Jahrzehnte.
Richard Hirschbäck, Oskar Putz und Otto Hochreiter, für ihre frühen Bestärkungen.
Markus Wieser, dessen Bilder und Begeisterung meine Liebe zur Fotografie neu entfacht haben.
Regina Anzenberger, durch deren „photobookstudies“ der Keim zu diesem Buch gelegt wurde.
Kristin Dittrich, die mir geduldig vermittelt hat, was Fotografie zu erzählen vermag.
Nina, Catherine, Matthias, Brigitte, Katharina, Guadalupe und die vielen unbekannten und doch vertrauten Menschen, die ich im Lauf der vergangenen 8 Jahre fotografieren durfte. Nicoleta danke ich zusätzlich für die textliche Inspiration.
Oliver Nutz, für all seine Anregungen die Bildauswahl betreffend – und für die leeren Seiten, die er übervorsichtig und dennoch unmissverständlich einforderte.
Franz Josef Gaugg und Rainer Wisiak, mit denen ich 2023 den Verein Eigenfarben (www.eigenfarben.at) ins Leben rufen durfte. Sie haben den monatelangen Prozess der Buchwerdung liebevoll begleitet und meine Unsicherheiten großzügig ausgehalten.
Kay Mühlmann für die englische Übersetzung des Buchtextes (welche noch auf ihren Einsatz wartet).
Speziell danken möchte ich Elena Henrich, die eine wunderbare Serie von Bildern aus 2019 auf Instagram mit #exploring #heimat hashtagte. Ich hoffe, sie nimmt mir die unverschämte Aneignung nicht übel.
Und last but not least, oder besser – allen voran – möchte ich Marion danken, für die Unermüdlichkeit.
Décollage, ff. Vienna, December 2023
Mechanical Hallucination No. 004-24 „Simple still life; cut lemon, pear; the fruits touch each other“ (Created with Adobe Firefly Image 2)
Mechanical Hallucination No. 003-24 „Non-binärer Mensch, der über den Freien Willen nachdenkt“ (Created with Adobe Firefly Image 2)
Mechanical Hallucination No. 002-24 „Foto aus den 60er Jahren, Frau liegt auf einem Sofa“ (Created with Adobe Firefly Image 2)
Mechanical Hallucination No. 001-24 „Alpiner Gipfel im Nebel, Schneefelder“ (Created with Adobe Firefly Image 2)
Krems, Sigleithenstraße 13, November 2023
Bratislava, Stará tržnica, July 2023
Spatial installation TAPE, created by the Austrian-Croatian art group NUMEN/FOR USE. The collective of visual artists, designers, architects and scenographers, consisting of Sven Jonke, Christoph Katzler and Nikola Radeljković, is known for its large-scale interactive works. www.numen.eu